der Weg zur Gemeinschaft

Eine ganze Gruppe von Individuen mit ausreichend ähnlichen Interessen und Vorstellungen und genügend Sympathien füreinander an einem Ort zur selben Zeit zu sammeln und zu der Lebensentscheidung für ein gemeinsames Wohnprojekt zu bringen ist nicht ganz leicht. Und dann auch noch in dem schwierigen Immobilienmarkt Oldenburgs ein finanziell erreichbares und ästhetisch, wie auch räumlich passendes Objekt ausreichend zeitnah zu finden macht es nicht einfacher. Das es dennoch so oft klappt, zeigt, dass der Traum lebt.

Ganz grob lässt sich der Weg hin zu einem Gemeinschaftsprojekt in 3 Phasen gliedern:

  • Die Sammlungsphase > Hier müssen sich die vielen Träumer erst mal finden, um einen gemeinsamen Traum irgendwann Wirklichkeit werden zu lassen. Speziell diese Hürde möchten wir mit der Struktur dieser Anlaufstelle für Gemeinschaftsinteressierte etwas kleiner machen.
  • Die Entwicklungsphase > Zur inhaltlichen Beratung, oder auch zur Mediation von Entscheidungsprozessen kann es in dieser Phase besonders hilfreich sein, externe fachliche Ansprechpartner zu nutzen. Zur Zeit hält die Stadt Oldenburg hier ein kostenloses Beratungsangebot für Gemeinschaftsprojektgruppen in Gründung vor. Aber auch in dieser Anlaufstelle für Gemeinschaftsinteressierte findet sich Knowhow für Gründungsgruppen und zum Teil auch auf der Internetseite „www.wohnprojekte-portal.de“. Mietshäusersyndikatsprojekte in Gründung bekommen standardmäßig vom übergeordneten MS-Verband einen Mentor und umfangreiches Infomaterial z.B. für Satzungs- und Vertragstexte gestellt. Und für Bauplanerische Fragen müssen sich Gründungsgruppen in den meisten Fällen sicherlich die Fachexpertise und später den Fachbeistand von Fachleuten, wie ArchitektInnen u.ä. hinzuziehen.

    Für die Planungsphase lassen sich typischer Weise verschiedene Schritte benennen.

a) aus den individuellen Vorstellungen muss eine konkrete und insbesondere finanziell realistische Zielvorstellung entwickelt werden, einschließlich einer konkreten Vorstellung zur Organisationsform (Mietshäusersyndikat/ Genossenschaft/ Eigentümergemeinschaft/ u.ä.).

b) auf der Grundlage der Zielvorstellung muss eine strukturierte Immobiliensuche organisiert werden, wobei für die Erstfinanzierung eines erwerbbaren Grundstückes ein ausreichend schnell verfügbares finanzielles Reservoir bereit stehen muss.

c) für ein erworbenes Grundstück, oder eine Immobilie müssen meist Bau-, Sanierungs-, oder Umbaupläne entwickelt werden, die möglichst den bestmöglichen finanzierbaren Kompromiss für die Bedürfnisse und Vorstellungen der Gruppenbeteiligten ergeben. Parallel hierzu muss meist die endgültige Finanzierung und ggf. die Gründung und Ausgestaltung organisatorischer Strukturen, wie Vereine und andere Körperschaften, oder Vertragswerke geleistet werden.

d) Schließlich sollte sich die Gruppe darauf einigen, in welcher Form Entscheidungsfindungen, Begegnungsmöglichkeiten, die Verteilung von Verantwortlichkeiten und ähnliches organisiert werden sollen.

  • Die Realitätsphase > Für ein entspanntes und inspirierend freudvolles Zusammenleben muss vereinfacht gesagt die Bilanz zwischen stressigem Orgakram und Auseinandersetzungen auf der einen Seite und gewinnbringenden spaßigen und anregenden Begegnungen auf der anderen Seite satt im positiven Bereich liegen. Es gilt also einerseits aus der Schnittmenge der gemeinsamen Interessen mit vielen guten Ideen eine lebendige Kultur der gemeinsamen Feste und Aktionen zu schmieden und gleichzeitig die Verteilung von Verantwortlichkeiten, die Gestaltung von Entscheidungsprozessen und die Klärung von Meinungs- & Interessenskonflikten möglichst elegant zu gestalten. Wie man dies tun kann, darüber tauschen sich in Oldenburg seit kurzem die Mitglieder von bestehenden Gemeinschaftsprojekten bei Treffen im Rahmen des „Netzwerkes gemeinschaftliches Wohnen“ aus. Viele Gemeinschaften pflegen regelmäßige z.T. speziell gestaltete Treffen für inhaltliche, oder auch emotionale Fragen. Viele haben eine Kultur regelmäßiger gemeinsamer Begegnungsmöglichkeiten, wie z.B. gemeinsame Mahlzeiten, Spieletreffs u.ä. etabliert, zu denen alle nicht verpflichtend eingeladen sind. Viele haben für Aktionsideen und Termine spezielle Informationsverteilungs-Medien. Die meisten Gemeinschaften haben eine Kultur der gemeinsam ausgerichteten regelmäßigen Feste, bei denen es gerne bunt und kreativ zugehen darf. Für Entscheidungsfindungsprozesse wird zum Teil mit Methoden, wie dem „systemischen Konsensieren“, oder daran angelehnten Erweiterungen, oder auch mit anderen Methoden experimentiert. Für Klärungsprozesse wird zum Teil auf externe Supervision zurückgegriffen. Und bei Verantwortlichkeiten gibt es oft ein zeitlich befristetes rotierendes Verteilungssystem, das zum Teil durch eine interne Vergütungsregelung attraktiv und gerecht gestaltet wird.
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